Prof. Vilim Vasata, Keynote-Speaker der Konferenz
Der amerikanische Designer Brian Switzer
Gespräche und Kontakte zwischen den Konferenzteilnehmern bei Coffee Break und Formal Dinner

Gemeinsame Sache machen

Ergebnisse der internationalen Designkonferenz im red dot design museum

Die Design- und Werbebranche benötigt neue, effiziente Formen kommunikativer Prozesse, um ein Unternehmensimage und seine Produkte erfolgreich am Markt positionieren zu können.

Die Teilnehmer der Konferenz "Emerging Paradigm: Design and Change. Inventing New Forms of Experience and Communication", die das Design Zentrum Nordrhein Westfalen am 15. und 16. Mai 2003 im red dot design museum auf der Zeche Zollverein in Essen veranstaltete, widmeten sich dieser Notwendigkeit.

Gemeinsame Sache machen

"Gemeinsame Sache machen" ist die von Soziologe Dirk Baecker formulierte Umschreibung des Kommunikationsaktes. Er wendet sich gegen das konventionelle Verständnis von Kommunikation als Transformationsakt von Informationen und hebt das gemeinsame Erlebnis der Beteiligten in der Kommunikation hervor. "Gemeinsame Sache machen" betont den menschlichen und den Gemeinsinn produzierenden Aspekt in Design und Kommunikation und war für die meisten Redner Kernpunkt ihrer Betrachtungen.

Designing humanity

Design kann dem Leben nicht entfliehen, sagte Keynote-Redner Prof. Vilim Vasata den Konferenzteilnehmern aus ganz Europa. Design sei eine Kraft, die verstanden habe, dass sie eine Form von Kommunikation ist. Das gute Design ist eine lebendige Gestaltung, so Vasata, die mit dem Betrachter und Benutzer kommuniziere. Grandioser Auftakt der zweitägigen Konferenz war sein Film über den Kaligrafen Yu-Ichi. Lebendige Zeichen zu schaffen, wie es im Japanischen über die Kaligrafie heißt, solle auch die Maxime der Designproduktion in der westlichen Hemisphäre sein.

Keine gute Kommunikation mit schlechtem Design

Im Kommunikationsakt zwischen Unternehmen und Kunden müsse Design die Führungsrolle übernehmen, dafür plädierte Harry Rich vom Londoner Design Council. Denn einem schlecht gestalteten Produkt könne selbst die beste Kommunikations-strategie nicht helfen. Das Unternehmen müsse von vornherein vertrauensbildende Maßnahmen ergreifen, um den Kunden für sich zu gewinnen, beispielsweise mit gutem Service sowie langlebigen und ästhetisch gestalteten Produkten. So kann das Produkt erfolgreich am Markt platziert werden.

Vertrauen, Inspiration, Erzählen

Direkte Kommunikation ist für den amerikanischen Designer Brian Switzer auch zwischen Designer und Kunde sowie zwischen den Designern selbst notwendig. Netzwerke als Unternehmensstrukturen bilden sich immer häufiger. Das bedeute gerade für die Design- und Werbebranche, verstärkt Vertrauen und Inspiration als Werte zu etablieren. Switzers Verständnis von "gemeinsame Sache machen”, zielt auf eine gemeinsame Vertrauensbasis zwischen Kunden und Designer sowie zwischen den Designern in Netzwerken ab.

Der genetische Code eines Unternehmens

Gemeinsam mit seinen Kunden geht auch Kommunikationsdesigner Knut Maierhofer der Münchner Agentur KMS vor, wenn er ausführt, dass er eine Corporate Identity eines Unternehmen nur gemeinsam mit dem Kunden erarbeiten könne. In der Kommunikation muß der Kunde Stellung beziehen, um so den Auftragskern gemeinsam herauszufiltern, wie einen genetischen Code. Erst dann kann ein erfolgreicher Designprozess beginnen.

Kulturpessimistische Überlegungen über Ware und Glück

Einen kritischen Blick auf die mannigfaltigen Produktvariationen und die übersättigten Märkte warf Kulturphilosoph Prof. Dr. Francis Smets der Universität Limburg. Die Warenwelt gaukle dem Menschen Glück vor, so seine These. Glück ist somit zu einer wirtschaftlichen Ware verkommen. Die nach Erlebnis dürstende Gesellschaft sei dem Konsum verfallen, da sie nach Glück strebe.

Fazit

Gemeinsames Erleben ist nicht nur Teil einer Erlebniskultur, sondern auch Teil alter Kommunikationsformen. In Geschichten, die ein Unternehmen über seine Designqualität erzählten kann, wird die Informationsübermittlung zum gemeinsamen Erlebnis und so intuitiver begreifbar. Kommunikation, gutes Design und vertrauensbildende Maßnahmen eines Unternehmens zielen darauf ab, den Kunden über das gemeinsame Erlebnis im Kommunikationsakt am Unternehmensbild teilhaben zu lassen. Durch gemeinsames Erleben wird das Unternehmensimage lebendig und stark.

Weitere Redner waren: Prof. Tönis Käo (Universität Wuppertal), Thomas Elser (Bruce B. GmbH), Prof. Wilfried Korfmacher (Universität Düsseldorf). Durch die Konferenz führte Prof. Dr. Peter Zec, Leiter des Design Zentrums Nordrhein Westfalen.

Die Dokumentation

Das Design Zentrum Nordrhein Westfalen wird eine detaillierte Dokumentation mit den Ergebnissen der Konferenz im Sommer 2003 herausgeben. Interessierte können die Broschüre für 15 Euro hier bestellen.

European Design Forum

Die Konferenz ist Teil einer Veranstaltungsreihe des "European Design Forum” (EDF), in dem das Design Zentrum Nordrhein Westfalen aktiver Partner ist. EDF ist ein dreijähriges Projekt (2002-2005) das von der EU im Rahmen des Programms "Culture 2000 "unterstützt wird.

EDF basiert auf einer aktiven Kooperation zwischen sechs europäischen Designinstitutionen. Project Koordinator ist VIZO (Flemish Institute for Entrepreneurs) Design Department in Brussel (B).

Die Partner:

• VIZO, Design Department, Brussels (B)

http://www.vizo.be

• Design Museum, Helsinki (F)

http://www.designmuseum.fi

• The Lighthouse, Scotland’s Centre for Architecture, Design and the City, Glasgow (UK)

http://www.thelighthouse.co.uk

• Museo di Castelvecchio, Verona (I)

http://www.comune.verona.it/Castelvecchio/cvsito

• Pro Materia, Brussels (B)

• Design Zentrum Nordrhein Westfalen, Essen (D)