
- Gordon Bruce

- Eliot Noyes by Gordon Bruce
14.03.2011
Inspiration und Einblick: die Jury des red dot award: design concept 2011 im Interview
Die Anmeldephase zum red dot award: design concept 2011 ist bereits angelaufen, in knapp zwei Monaten beginnt die Vorausscheidung. Mitte Mai hat wird dann eine Jury von 17 hochqualifizierten Fachleuten die Bewerberauswahl für die kreativsten, innovativsten und dennoch technisch machbaren Ideen und Prototypen vornehmen. Wer gehört zur diesjährigen red dot-Jury? Was bewegt die Juroren? Und warum haben sie sich entschieden, im Bereich Design zu arbeiten? In unserer Interviewreihe gewähren wir Ihnen einen Einblick in die Jury des red dot award: design concept 2011.
Gordon Bruce, USA
Gordon Bruce ist Direktor der Gordon Bruce Design LLC und ist seit 38 Jahren Designberater für viele internationale Kapitalgesellschaften in Europa, Asien und den USA. Er hat mit zahlreichen multinationalen Gesellschaften bei vielen unterschiedlichen Produktarten auf allen Ebenen zusammengearbeitet – von Flugzeugen bis zu Computern und Medizingeräten.
red dot: Erzählen Sie uns etwas über Ihre aktuellen Projekte und Aktivitäten.
Gordon Bruce: In den letzten beiden Jahren haben wir uns bei Bühler engagiert, einem berühmten Schweizer Unternehmen, das als weltweit führend auf seinem Gebiet gilt – mit den höchsten Qualitätsstandards. Um unsere Ziele zu erreichen, entwarfen wir ein paar Maschinen, welche die Einfachheit, Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit und Kontinuität der Konstruktion erhöhen und gleichzeitig gutes Design als Teil ihrer geschäftlichen Vision fördern. Außerdem dient diese erneuerte Vision von Design als Grundlage für ein neues Design-Tool, das wir derzeit entwickeln – einen Prozess, den ich „Design-Führung“ nenne. Es unterstützt viele nicht greifbare Aspekte, die für die Verbesserung der Reputation des Firmendesigns genau so wichtig sind wie die greifbaren Merkmale. Dazu zählt beispielsweise die dauernde firmeninterne Weiterbildung in Design-Fragen, die allen am Unternehmen interessierten Kreisen dabei hilft, Design als geschäftliche Strategie wirksamer voranzutreiben.
Die Zusammenarbeit mit einem Schweizer Unternehmen ist eine einzigartige Erfahrung, da diese Gesellschaften die höchsten Standards und die rigorosesten Ansichten hinsichtlich Design-Entscheidungen haben, welche wiederum unsere gegenseitigen Ergebnisse nur verbessern. Ein weiteres großes Unternehmen, mit dem wir auf einer ganz anderen Ebene zusammengearbeitet haben, ist GE Appliances in den USA. Dieses Projekt betraf eher die Umgestaltung ihres „Design-Systems“. Bevor wir ihnen aufzeigten, wie sie ihren Einsatz von Design auf mehreren Ebenen verbessern könnten, entwarfen wir zunächst ein einzigartiges Planungsverfahren, mit dem sich die Effektivität des Unternehmens hinsichtlich tieferer Einsichten in spezifische Merkmale und Probleme analysieren lässt. Dies alles beruht auf ihren spezifischen Gegebenheiten – ich nenne sie zusammenfassend „Unternehmens-Landschaft“. Unsere Empfehlungen halfen GE Appliances, ihr Design ziemlich schnell deutlich zu verbessern.
Darüber hinaus hielt ich weiter Vorträge über mein Buch über Eliot Noyes – verlegt von Phaidon Press, London. Kürzlich hielt ich in Harvard und bei IBM und ihren weltweiten Kreativagenturen einen Vortrag, da sie sich noch immer für die Design-DNA interessieren, die Noyes vor über 50 Jahren entwickelte.
red dot: Welche Konzepte und Ideen der jüngsten Zeit waren für Sie am spannendsten? Sie müssen sich nicht nur auf Produkte beschränken.
Gordon Bruce: Ich selbst mache von vier verschiedenen Designideen Gebrauch, die ich für sehr interessant und lohnend halte.
1. Ich verwende seit einiger Zeit den Livescribe-Pen – die neueste Version heißt Echo-Pen. Es handelt sich hierbei um einen digitalen Stift, der digitales Papier verwendet, welches Handschriftliches auf einfache Weise in Word-Dokumente umwandelt, parallel zur Stimmaufzeichnung. Besuchen Sie www.livescribe.com – es ist eines der nützlichsten und bequemsten Werkzeuge für Designer.
2. Der Freedom Chair, hergestellt von Humanscale (www.humanscale.com) und entworfen von Niels Diffrient, bleibt der intuitivste, bequemste, am leichtesten verstellbare und intelligenteste Stuhl der Welt.
3. Ich trage eine gut geschnittene Jacke, die „SeV Revolution“. Sie hat 26 Taschen, was sie für alle, die viel mit einer Menge elektronischer Produkte reisen, so extrem praktisch macht. Die neue Kleidungslinie ist eine höchst erfinderische integrative Technologie, bei der die Kleidung wiederum das Reisen bequemer und genussvoller macht. Diese Jacke ist auch mit Handys und iPods kompatibel und hat sogar eine iPad-Tasche. Das Unternehmen finden Sie auf www.scottevest.com. Jeder Designer, der häufig mit einer Menge Technologie reist, sollte sich diese Jacke und ihre anderen Kleidungsstücke anschauen.
4. www.Qwiki.com ist eine neue Site, die sich noch in der Testphase befindet, aber schon in ihrem jetzigen Entwicklungsstadium eine intelligentere Art der Web-Suche demonstriert. Der Inhalt wird automatisch mit Sprache und Bildern gezeigt, die von Wikipedia-Seiten stammen. Es ist eine clevere und völlig neue Art der Interaktion mit dem Computer. So smart!
red dot: Warum haben Sie sich für den Beruf des Designers entschieden?
Gordon Bruce: Ich wurde Designer, weil ich meinen Vater, John Bruce, als Vorbild hatte, der sich als Industrie-Designer ursprünglich in Kanada zum Maler ausbilden ließ. Später kehrte er an die Universität von Toronto zurück, wo er kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges Maschinenbau studierte. Während des Krieges war mein Vater bei der Technischen Mission der britischen Admiralität als Ingenieur tätig und danach als Luftfahrtingenieur bei Hawker Siddeley, einer Gruppe britischer Flugzeughersteller. Nach dem Krieg zog er mit seiner Familie in die USA um. Dort arbeitete mein Vater bei Henry Dreyfuss, dem berühmten amerikanischen Industriedesigner, der als erster Design und Ergonomie vereinigte. Danach eröffnete er sein eigenes Designbüro. Als Kind saß ich unter seinem Zeichentisch und verlor mich in der Welt meiner Zeichnungen von Piraten und Schiffen, interessierte mich dann aber bald für die Computer und anderen Produkte, an denen mein Vater arbeitete. 1967 entwarf er das erste Faxgerät, und seine Produkte gewannen viele technische und Design-Auszeichnungen. Einige von ihnen wurden im Smithsonian in Washington DC und anderen Museen ausgestellt.
red dot: Wie definieren Sie sich als Designer?
Gordon Bruce: Ich kämpfe für eine Beschreibung, wie sie einer meiner wichtigsten Mentoren, Eliot Noyes, zum Ausdruck brachte hat. Er beschrieb den Designer am besten: „Der Berater muss selbst ein sehr guter Architekt oder Planer sein, und darüber hinaus muss er für eine solche Rolle eine Kombination von Designer, Philosoph, Historiker, Pädagoge, Dozent und Geschäftsmann darstellen“.
red dot: Was haben Sie in Ihrer Tasche?
Gordon Bruce: In meiner kleinen Tasche habe ich meinen Livescribe-Stift und eine passende Zeitschrift, etwas für frischen Atem, Schlüssel, eine Canon Coolpix (mit Ersatzbatterien und Speicherkarten), einen Handreiniger, ein Handy (und Ladekabel), einen Post-it-Notizblock, einen kleinen Block Millimeterpapier, einen Faber-Castell-Bleistift mit eingebautem Spitzer und Radiergummi, Fisher Space Pen, eine aufsteckbare Sonnenbrille, einen kleinen Übersichtskalender / Journal (für manche Dinge bevorzuge ich Papier), Aspirin, einen iPod nano mit meinem Bose-Geräuschunterdrückungs-Headset, wenn genug Platz in der Tasche ist (oder meine bequemen, von Kim Hembold entworfenen Philips Kopfhörer), und natürlich Geld und Papiertaschentücher. Zur Zeit lese ich „Cleopatra“ von Stacy Schiff (ein höchst faszinierendes und hervorragend geschriebenes Buch), und wenn ich noch Platz habe, nehme ich es mit.
red dot: Welches Transportmittel bevorzugen Sie und warum?
Gordon Bruce: Aus mehreren Gründen haben meine Frau und ich in den letzten 30 Jahren 8 SAABs besessen.
1. Mein Vater wurde in seinem SAAB von jemandem angefahren, und nachdem er 6 Mal durch eine Tankstelle gerollt war, überlebte er mit nur ein paar kleineren Verletzungen. Weil ihm dieser SAAB das Leben gerettet hat, lernte ich, dass Sicherheit beim Industriedesign an erster und wichtigster Stelle steht.
2. SAAB ist ein kleines Unternehmen, das aber für die Erfindungen vieler innovativer Produkte auf der Grundlage wichtiger Ideen berühmt ist. Seine Mentalität stammt von seinen Ursprüngen als Luftfahrtunternehmen.
3. Der SAAB ist für die vier Jahreszeiten von New England, wo wir wohnen, gut geeignet.
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Pico Art International ist der offizielle Eventmanager und red dot traffic ist ein Co-Sponsor der Verleihungsfeier des red dot award: design concept.





