Interview mit der Beetroot Design Group und Paris Mexis, Kurator der Ausstellung "The Greek Monsters"

Vangelis Liakos, Yiannis Charalampopoulos und Alexis Nikou sind die Gründer und CEOs der Beetroot Design Group, einer kontinuierlich erfolgreichen Kommunikationsagentur. Im Interview mit red dot beschreiben die griechischen Allrounder ihre unkonventionelle Arbeit und Intentionen hinsichtlich der Ausstellung „The Greek Monsters“. Auch Paris Mexis, Kurator der Ausstellung und „Production Designer“ von weltweitem Renommee, gibt Einblicke in die Welt der vermeintlich bösen Monster Europas.

Mit dem Konzept der „Greek Monsters“ reagieren Sie auf das derzeitige Negativ-Image Griechenlands. Wie entstand die Idee, hierfür in allegorischen Dimensionen zu arbeiten?

Vangelis Liakos: Die Idee lässt sich vom Wort „Monster“ („teras" auf Griechisch) ableiten. Dieser Begriff beschreibt ein furchteinflößendes und schreckliches Wesen und wird zudem dafür verwendet, um etwas oder jemanden zu beschreiben, das oder der ungewöhnlich groß ist – sowohl was die körperlichen Maße als auch das Ansehen betrifft. Angesichts der aktuellen finanziellen und politischen Situation in Griechenland ist die negativ konnotierte Bedeutung des Wortes relativ selbsterklärend. Durch das Spiel mit der Vorstellung, die „europäischen Monster" zu sein, schien es uns – in Hinblick auf unseren Agentur-Erfolg – angemessen, die Bedeutung des Titels „The Greek Monsters“ umzukehren. Wir wollten aus etwas Negativem etwas Positives schaffen.

Die „Greek Monster“ stehen für Beetroot. Welche Message wollten Sie mit der Erschaffung der vermeintlichen Bösewichte transportieren?

Alexis Nikou: Um es mit dem vielfach zitierten Satz von Marshall McLuhan zu sagen: In der „Greek Monsters“-Ausstellung ist das Medium die Botschaft. Auf den einfachen Besucher wirkt unsere gigantische Skulptur des Minotaurus schlicht wie eine herkömmliche Galerie-Installation und somit als Hommage an das Unerwartete und an die Art und Weise, wie Design den „normalen“ Kontext – in diesem Fall die Ausstellung – sprengt. Ein aufmerksamer Besucher jedoch wird entdecken, dass in der Nähe jedes Exponats Informations-Schilder zu finden sind, die mit Hilfe von Gedichten erklären, warum ein bestimmtes Exponat genau da ist, wo es ist und welche Philosophie sich dahinter verbirgt.

Die Umsetzung des Projekts bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Design und Kunst. Wie wichtig ist es hier, die richtige Balance zu finden?

Yiannis Charalampopoulos: Die Beziehung zwischen Kunst und Design ist der persönlichste Aspekt dieser Ausstellung: Kürzlich entschieden wir uns, einen großen Schritt nach vorne zu wagen und unser Leistungs-Spektrum auf weitere Bereiche, wie z. B. Bilder, Skulpturen, Fotografie, Installationen, Perfomance-Kunst, Filme etc., zu erweitern. Bezugnehmend auf die Abgrenzung zwischen Kunst und Design gewähren wir uns sozusagen einen „Freischein“, der es uns erlaubt zwischen beiden Bereichen zu pendeln. Letztlich sind wir der Ansicht, dass Kunst und Design zwei Seiten einer Medaille sind: der Kreativität.

Womit kann Griechenland aus Ihrer Sicht – außer mit hervorragendem Kommunikationsdesign – international noch glänzen?

Paris Mexis: Auch wenn wir aus Griechenland stammen, dort leben und arbeiten, können wir nicht stellvertretend für die ganze Nation sprechen. Dennoch: Blickt man hinter die Fassade der ernsten staatspolitischen Probleme Griechenlands, wird deutlich, dass es eine Vielzahl an kreativen und hart arbeitenden Persönlichkeiten gibt – Talente, die es zu entdecken gilt. Griechen tun sich generell sehr schwer mit Einschränkungen. In einigen Fällen ist diese Eigenschaft nicht förderlich, letztlich verleiht sie ihnen aber die einzigartige Fähigkeit, Grenzen zu überwinden. Sie befähigt sie dazu, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und somit unerwartete, aber sehr effektive Ergebnisse im Bereich der Kunst und des Designs zu entwickeln.

Die Sonderausstellung wurde in Berlin begeistert aufgenommen. Was bedeutet es Ihnen, dass diese Arbeiten jetzt ihren Weg in das red dot design museum finden?

Vangelis Liakos: Wir sind begeistert! Wir freuen uns sehr darüber, dass wir die Gelegenheit haben, unsere Ausstellung einem breiteren und gut informierten Publikum zugänglich machen zu können. Schließlich geht es im Kommunikationsdesign darum, Signale zu setzen und entsprechende Antworten auf diese Signale zu erhalten. In erster Linie haben wir die „Greek Monsters“-Ausstellung konzipiert, um die folgende Botschaft zu transportieren: „Hallo – Fürchtet Euch nicht – Schaut uns an –Kommt näher“. Wir erhoffen uns dadurch, mit den Menschen in einen Dialog zu treten und entsprechende Resonanzen zu erhalten.

Worin lagen Ihrer Meinung nach die besonderen Herausforderungen bei der Realisierung dieses Projekts?

Alexis Nikou: Unser Ziel war es, ein starkes Konzept zu entwickeln, das seine kommunikativen Fähigkeiten erhalten kann; sei es auf dem Papier, im materiellen oder im digitalen Raum. Gerade der Umstieg von 2D auf 3D hin zu Meta-2D war zugleich anspruchsvoll und kreativ. Wir hatten bei der Umsetzung großen Spaß, doch wir haben in diesem Prozess auch immer daran gedacht, wie das Publikum die Art und Weise der Ausstellung wahrnehmen würde. Wir waren sehr vorsichtig, als es darum ging, den griechischen Monstern weitere Fähigkeiten zu zuschreiben – letztlich sollte die Ausstellung verständlich bleiben.

Wie gehen Sie generell an neue Projekte heran?

Yiannis Charalampopoulos: Zuerst versuchen wir uns auf die weniger offensichtlichen Qualitäten des Projektes – die es einzigartig machen – zu konzentrieren. Das ist die Grundlage unserer Designs. Völlig frei von jeglichen Einschränkungen, als ob wir alle Ressourcen und Zeit der Welt zur Verfügung hätten und mit dem Vertrauen unserer Kunden, lassen wir unsere Projekte wachsen… und dann setzen wir sie um!