Leo Lübke, Geschäftsführender Gesellschafter interlübke
Leo Lübke, Geschäftsführender Gesellschafter interlübke

Zum Geburtstag eine Wohnstudie

Wie wohnen die Deutschen? Eine spannende Frage, gerade für Designer und Möbelhersteller. Das dachte sich auch interlübke, weshalb das Traditionsunternehmen aus Ostwestfalen passend zum 75. Firmen-Jubiläum eine Meinungsforschungsstudie in Auftrag gab. 

„Deutschland privat – So leben und wohnen die Deutschen 2012“ lautet der Titel der repräsentativen Studie, die von TNS Emnid unter tausend Personen ab 14 Jahren durchgeführt wurde. Einige Ergebnisse dürften Designern und Möbelhersteller verwundern. Entgegen allen gestalterischen Visionen und Trends wohnen die Deutschen konservativ: Küchen (73 %), Wohn- (51 %) und Schlafzimmer (85 %) werden selten mit anderen Räumen kombiniert. Einzig das Wohn-Esszimmer findet bei vier von zehn Gefallen. Loftartige offene Räume, wie sie Gestaltern und Architekten häufig vorschweben, bleiben die Ausnahme (5 %). Unzufriedenheit herrscht deswegen jedoch nicht. Acht von zehn Befragten gaben an, in der perfekten Wohnung zu leben. Nur Einzelmöbel (7 %) und kleinere Renovierungen (4 %) fehlen zum vollkommenen Glück.

Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer TNS Emnid
Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer TNS Emnid

Drei bis sechs Wohnräume, 96 Quadratmeter, weiße Wände und helle Möbelfronten

„Wohnen ist veränderungsresistent“, erklärt Leo Lübke, Geschäftsführender Gesellschafter von interlübke. Das liegt zum einen daran, dass für 19 von 20 Studienteilnehmern die Wohnung Ausdruck des eigenen Geschmacks ist. Zum andern ließen laut Lübke die Grundrisse neue gestalterische Lösungen häufig nicht zu. Man müsse jedoch zwischen den Vorbildern in den Medien und der tatsächlichen Situation der Wohnnation unterscheiden. Hier wäre es an den Designern, neue Ideen für bestehende Wohnräume zu finden, anstatt Visionen nachzugehen, die in erster Linie in Neubauten umgesetzt werden. 

Die Durchschnittswohnung der Deutschen hat drei bis sechs Wohnräume (inklusive Küche und Bad), ist 96 Quadratmeter groß und in der Farbgestaltung möglichst natürlich (Holz und sanfte Farben), hell und weiß gehalten (zusammen 71 %). Das Wohnzimmer ist für 61 Prozent der wichtigste Ort in den eigenen vier Wänden, dem weder eine Sitzgarnitur (95 %), noch ein Fernseher und Bilder (je 88 %) fehlen dürfen. Tapeten (64%) und Teppiche (61 %) hingegen verlieren zusehends an Bedeutung. 

Werner Aisslinger, Designer
Werner Aisslinger, Designer
Regalserie "studimo" von interlübke
Regalserie "studimo" von interlübke

Gutes Wohnen und hochwertige Inneneinrichtung für alle Altersklassen wichtig

Gutes Wohnen (68 %) ist den meisten Befragten wichtiger als Freizeit (58 %) und Urlaub (33 %). Aber auch das Auto, vermeintlich des Deutschen liebstes Kind, fristet gegenüber der Wohnung ein Schattendasein. Gerade einmal 37 Prozent ist es sehr wichtig, bei den Jüngeren gar nur jedem Vierten. Da überrascht es kaum, dass alle Altersklassen Wert auf eine qualitativ hochwertige Inneneinrichtung legen. Mehr noch als auf den Preis (89 %) achten sie dabei auf die Funktionalität (96%) und die Langlebigkeit (93 %) der Möbelstücke. 

Langfristig gesehen ergeben sich Wohncollagen, in denen der Designer Werner Aisslinger die Zukunft sieht. Für ihn liegt die Herausforderung darin, „Systemmöbel so clever zu gestalten, dass sie wie ‚custom made’ aussehen“, um dem Wunsch der Kunden nachzukommen, sich durch Einrichtung und Wohnung persönlich auszudrücken. Langlebige Möbel mit modularem Charakter könnten zudem umgebaut und neu konfiguriert werden, wodurch sie laut Aisslinger eine Altersgerechtigkeit erhielten. Das spiegelt sich letztlich im Preis wieder, da „Design im oberen Preissegment gemacht, in der Mitte adaptiert und Unten kopiert wird.“ Zusammen mit der Abkopplung der Technologie (siehe iPad und Co.) könnten so flexible neue Wohnformen entstehen, die den konservativen Status quo der deutschen Wohnrealität ablösen.

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