Red Dot Award: Brands & Communication Design

Interview mit Bettina Schulz

Über die Relevanz von Print- und Online-Medien, Trends und Handwerkszeug: Interview mit Bettina Schulz

Seit 2008 ist Bettina Schulz Teil der Red Dot Jury. Gemeinsam mit ihren über 20 Kollegen aus aller Welt bewertet die Mitbegründerin der Münchner Creative Paper Conference die zum Red Dot Award: Brands & Communication Design eingereichten Projekte. Seit 2001 ist sie die Chefredakteurin des internationalen Fachmagazins „novum – World of Graphic Design“, dessen Redaktion sie bereits seit 1994 angehört. Darüber hinaus ist sie als freie Texterin und Redakteurin für nationale und internationale Magazine sowie für Kunden aus verschiedenen Branchen tätig. Ihre Expertise lässt Bettina Schulz einfließen, wenn es darum geht, die besten Kommunikationsarbeiten des Jahres zu prämieren. Red Dot sprach mit der Designexpertin über die Relevanz von Print- und Online-Medien, Trends und Handwerkszeug.

Welche spannenden Entwicklungen nehmen Sie als Chefredakteurin der „novum“ aktuell in der Kreativbranche wahr?
Bettina Schulz:
Fluch und Segen zugleich sind derzeit sicherlich Instagram, Snapchat & Co.: Einerseits sind das großartige Möglichkeiten für Kreative, sich selbst zu präsentieren, andererseits führen sie als alleinige Inspirationsquelle zum ewigen Wiederkäuen bereits Vorhandenem. Das beklagen gerade sehr viele in der Branche; auch, weil Auftraggeber ihren Designern nur noch Bildschnipsel als „Briefing“ vorlegen. So können aber keine durchdachten, originären Konzepte entstehen.

Warum ist Print nach wie vor relevant?
Es ist neben allen digitalen Inhalten eine wichtige zweite Säule in der Kommunikation, mit der bestimmte Werte ausgedrückt werden können und eine ganz andere Wahrnehmung erzeugt wird.

Wie können Print- und Online-Medien in Zukunft nebeneinander bestehen?
So wie auch Fahrrad und Auto, Kino und Fernsehen bislang nebeneinander bestehen – jedes Medium hat seine Stärke, die es zu nutzen gilt. Natürlich wäre es aber diesbezüglich wünschenswert, wenn die Gesellschaft irgendwann erkennt, dass es hochwertigen Journalismus nun einmal nicht zum Nulltarif geben kann – weder in Print- noch in Onlineform.

Welche Bedeutung haben Papier und Veredelungen im Printbereich?
Beides nimmt ganz extrem Einfluss auf die Gesamtaussage und ist damit Teil der Kommunikation und der Gestaltung. Ein Discounterprospekt auf Feinpapier ist ebenso unglaubwürdig wie ein Prada-Katalog auf Dünndruckpapier.

Was leistet gute Typografie?
Da verweise ich immer gerne auf die zehn Gebote des von mir sehr geschätzten Kurt Weidemann. Ein prägnanter Satz: „Typografie ist Umweltschutz der Augen, die es zwar zu öffnen und zu interessieren, aber nicht zu verwirren und zu beleidigen gilt“.

Warum haben in jüngster Vergangenheit so viele Marken ein Re-Design ihres Logos gewagt?
Ich glaube, dass sich Marken schon immer erneuert haben – es wäre ja auch schrecklich, wenn wir in einem allgegenwärtigen Freilichtmuseum leben würden. Ein Grund für die Rundumerneuerungen in den letzten Jahren liegt aber sicherlich zum Teil in der mangelnden Kompatibilität der bisherigen Erscheinungsbilder für Umsetzungen in den neuen Medien.

Wie erregt man in gestalterischer Hinsicht Aufmerksamkeit?
Das lässt sich pauschal schwer beantworten. Handwerklich gutes Design impliziert maßgeschneiderte Lösungen und stimmige, stringente Konzepte – das war wohl schon immer der Schlüssel zum Erfolg.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: Gutes Kommunikationsdesign...
… gibt es mehr, als man denkt und erstaunlich oft da, wo man es zunächst nicht vermuten würde. Darüber hinaus ist es monatlich in der novum zu finden. ;-)

Red Dot Award: Communication Design 2019

Designer, Agenturen, Unternehmen und Marken können bis zum 28. Juni am Red Dot Award: Brands & Communication Design 2019 teilnehmen. Aus ihrer langjährigen Erfahrung als Jurorin weiß Bettina Schulz über den Kommunikationsdesign-Wettbewerb zu berichten: „Die erstaunliche Anzahl der Einreichungen, die zum größten Teil auf sehr hohem gestalterischen Niveau sind, ist nicht nur beeindruckend, sondern ermöglicht auch einen echten Vergleich. Für uns Jurymitglieder ist darüber hinaus genug Zeit, alle Arbeiten einzeln zu begutachten, zu diskutieren und zu bewerten – es ist eine internationale Leistungsschau, die ziemlich gut den Status Quo der Branche jährlich wiederspiegelt.“