Red Dot Award: Communication Design

Interview mit Kelley Cheng

„Gutes handwerkliches Können bleibt ohne eine starke Idee nur ein Artefakt“: Interview mit Designerin und Jurorin Kelley Cheng

Jedes Jahr reichen Gestalter, Designer und Unternehmen aus aller Welt ihre besten Projekte zum Red Dot Award: Communication Design ein, um ihre neuesten Leistungen auf den Prüfstand zu stellen. Sämtliche Einreichungen werden von der Red Dot Jury begutachtet, die rund 25 internationale Experten umfasst. Eine davon ist Kelley Cheng, die jeden Beitrag individuell, live und vor Ort mit ihren Jury-Kollegen diskutiert und bewertet. Im Interview mit Red Dot gibt die Design-Expertin persönliche sowie berufliche Einblicke.

Vielseitig begabt: Kelley Cheng

Kelley Cheng ist eine der führenden Designerinnen in Singapur, die Architektur studiert hat und bereits in verschiedenen Bereichen aktiv war – als Redakteurin eines Magazins, Referentin und Besitzerin einer Kunstgalerie sowie als Designerin. Mit The Press Room führt sie ihre eigene Publishing- und Design-Beratung, die als multi-disziplinäres Studio Bücher, Marken, Grafiken, Räume, Erlebnisse, Bühnen-, Filmsets und mehr gestaltet. Kelley Cheng ist als Lehrbeauftragte für Innenarchitektur am LaSalle College of the Arts in Singapur tätig sowie als beratendes Vorstandsmitglied der Singapore Polytechnic School of Design. Darüber hinaus wurde sie 2009 als eine der „großartigen Frauen unserer Zeit“ (Great Women of Our Time) gefeiert und 2010 als eine der „50 inspirierendsten Frauen“ (50 Most Inspirational Women) in Singapur.

Red Dot: Welches war ihr erstes Projekt als Designerin?
Kelley Cheng: Mein erstes Projekt war das „iSH Magazin“, ein Design-Lifestyle-Magazin, das ich 1999 selbst herausgegeben habe.

Wie bleiben Sie in der Kreativindustrie innovativ?
Stetig inspiriert zu sein ist der Schlüssel, um kreativ und innovativ zu denken. Inspiration kann man aus vielen einfachen Dingen im Leben ziehen – Reisen, Filme ansehen, Lesen, im Internet surfen, dem Besuch im Kunstmuseum, zu einer Tanz- oder Theatervorführung gehen oder ganz einfach bei einem Spaziergang im Park.

Bitte vervollständigen Sie den Satz „Gutes Design ist…“
… die Fähigkeit, aus komplizierten und vielfältigen Botschaften etwas Einfaches und Elegantes herauszudestillieren.“

Was ist Ihnen wichtiger, die Idee oder das handwerkliche Können?
Mir ist beides gleichermaßen wichtig. Eine gute Idee, die nicht gut ausgeführt ist, kann alles töten. Und gutes handwerkliches Können bleibt ohne eine starke Idee nur ein Artefakt, aber kein Design.

Wie werden Marken in Räumen lebendig?
Eine schwierige Frage. Neben einem guten Interior Design und einer starken Umgebungsgrafik, die die visuelle Identität der Marke reflektiert, muss man ein Erlebnis gestalten, das für die Marke einmalig ist, angefangen dabei, wie die Mitarbeiter Kunden begrüßen bis hin zu ihrem Benehmen. Wenn man beispielsweise zu Uniqlo geht, wird man weltweit einheitlich in verschiedenen Sprachen mit einem fröhlichen „Willkommen bei Uniqlo“ begrüßt, aber immer in der gleichen Klangmelodie. Es handelt sich um das primitivste Sound Design, nämlich die Stimme, die zugleich auch am intimsten ist. Das macht den Besuch unvergesslich und die Marke bleibt im Gedächtnis.

Welche sind aktuell die größten Veränderungen im Bereich der Online-Kommunikation?
Definitiv die Ausbreitung freier und Open-Source-verfügbarer CMS (Content Management System), die es Designern und denen, die es nicht sind, ermöglichen, Websites einfach zu kreieren. Die virtuelle Präsenz eines Unternehmens über seine Website ist so wichtig geworden wie seine Präsenz in der realen Welt, wenn nicht noch wichtiger. Eine Website zu haben ist für alle, die eine Firma gründen, zum ersten Schritt geworden. Es ist nicht verwunderlich, dass es noch nie so einfach war wie heute, eine Website aufzusetzen.

Warum sind Print-Erzeugnisse in unserer digital geprägten Welt nach wie vor so beliebt?
Die Erfahrung, auf einem Tablet oder Computer zu lesen, kann niemals mit der Erfahrung, ein echtes Buch zu lesen und zu fühlen, gleichgesetzt werden. Das heißt nicht, dass eines besser als das andere ist, aber beide können so gestaltet sein, dass sie die Fähigkeiten ihres Mediums bestmöglich zum Vorschein bringen. Beispielsweise kann ein Web-Magazin interaktiv sein und Geschichten können durch die Einbindung von Videos und Sounds lebendig werden. Ein Buch kann aber mithilfe von Papier, Beschaffenheit, Geruch, Drucktechnik und Effekten als Objekt von Schönheit zum Ausdruck kommen. Genau wie Schallplatten wird Print immer sein Publikum haben.

Was finden Sie an der Arbeit junger Talente spannend?
Junge Gestalter sind im Umgang mit Technologie sehr versiert und trainieren quasi dadurch, dass sie in einer digitalen Welt aufgewachsen sind, ihre Augen so, dass sie Dinge etwas anders sehen als die älteren Designer. Sie sind in der Lage, Themen in der Designsprache du jour zu präsentieren, was sehr „hip“ ist – das ist manchmal gut und manchmal schlecht, aber tatsächlich macht es mir Spaß, den jugendlichen Blick auf die Dinge zu betrachten, der sehr aktuell und aufregend ist. Und auch ich lerne von den Jüngeren!

Red Dot Award: Communication Design 2019

Ab dem 4. März 2019 sind wieder Einreichungen zum Red Dot Award: Communication Design möglich. Für alle, die am Design-Wettbewerb teilnehmen möchten, hat Kelley Cheng einen guten Rat. Für sie muss ein Projekt, um diesem den Red Dot zu verleihen, „eine gute Idee, gute Ausführung und einen Hauch von je ne sais quoi“ aufweisen.“