Red Dot Award: Product Design

Interview mit Katrin de Louw

Über Nachhaltigkeit, Materialien und Trends der Möbelbranche: Jurorin Katrin de Louw im Interview

Als Expertin für Möbel, Materialien und Oberflächen bewertete Katrin de Louw 2018 zum ersten Mal die Einreichungen des Red Dot Award: Product Design. Die Innenarchitektin ist für die Möbelindustrie, Möbelzulieferer und Materialhersteller selbstständig tätig. Seit 2006 initiiert und managt de Louw das Trend- und Eventforum „servicepoint A30“. Fünf Jahr später übernahm sie darüber hinaus die Verantwortung für die Material- und Oberflächensonderschau „PIAZZA Materials & Nature“. Im Interview mit Red Dot berichtet die Jurorin, welchen Eindruck sie vom Bewertungsprozess gewonnen hat und schildert, welche Trends in Sachen Möbel und Materialien vorherrschen.

Red Dot: Welche Produkte sind Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

De Louw: Es gibt viele Produkte, die mir sehr gut gefallen haben und die einen hohen Innovationsgrad aufweisen. Es hat mich gefreut, einige Objekte zu sehen, deren Fokus auf Nachhaltigkeit liegt und die zukunftsweisend sind.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Besonders gut hat mir der ökologische Kaffeebecher gefallen, der aus altem Kaffeesatz gemacht ist. Wir sprechen hier von einem Produkt, das viele von uns viel zu häufig und viel zu kurz in Plastikform in der Hand halten. Doch da ist der Kaffeebecher nicht allein: Es gibt weltweit zahlreiche Produkte, deren Konsum für uns und die Umwelt schädlich ist. Mit zukunftsweisenden Produkten, wie dem ökologischen Kaffeebecher, gehen wir schon einen Schritt in die richtige Richtung.

Was hat Sie am Jurierungsprozess überrascht?

Ich war zum ersten Mal als Juror bei Red Dot. Deswegen war die Jurierung sehr spannend für mich. Obwohl ich die Kollegen zum Teil sehr gut kenne, war es doch interessant zu sehen, wie wir zusammenarbeiten. Trotz der Internationalität und den unterschiedlichen Bereichen, in denen wir arbeiten, war die Quintessenz unserer Bewertung immer eindeutig. Wir haben uns gut ergänzt, haben sehr klar diskutiert und waren nach der Diskussion einer Meinung.

Sie kommen eigentlich aus der Möbelbranche. Inwieweit spielen Materialien hier eine wichtige Rolle?

Richtig, wir sind im Zentrum der deutschen Möbelindustrie zu Hause. Ich selber arbeite seit 20 Jahren für Möbelzulieferer, für die wir auch Produkte entwickeln. Besonders die Oberflächen prägen die Gestaltung. Die Materialität, die häufig mit der Oberfläche zusammenhängt, gewinnt heutzutage immer mehr an Bedeutung. Intelligente Oberflächen, Leichtbau und ökologische Materialien zählen zu den aktuellen Trends. Insofern zählt die Entscheidung für ein Material zu einer der wichtigsten Entscheidungen beim Möbeldesign.

Sie haben gerade über Trends gesprochen. Welche Materialien werden heutzutage häufig genutzt?

Besonders junge Designer sind offen für neue Technologien und haben zugleich ein großes Herz für nachhaltige Produkte. Diese beiden Faktoren werden im Bereich der Materialien miteinander kombiniert und führen zu echter Innovation.

Es gibt auf der einen Seite Möbelhäuser, die eher für die breite Masse produzieren, und dann gibt es Designer, deren Fokus auf der Herstellung von Einzelstücken liegt. Sind die Gestaltungen miteinander zu vergleichen?

Die Gestaltungen sind meiner Meinung nach nicht miteinander zu vergleichen. Stellt ein Designer ein Einzelstück her, ist er freier in der Gestaltung. Er darf neue, außergewöhnliche Wege gehen. Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung eines Produktes, das der Menge gefällt, eine ebenso große Herausforderung und eine große Kunst.

Was ist der Schlüssel zu gutem Design bei Möbeln?

Bei der Gestaltung von Möbeln sollte der Nutzen stets im Fokus stehen. Dabei kann das Produkt einerseits lediglich einen ästhetischen Nutzen haben, sodass sich der Konsument an der schönen Form und dem optischen Design erfreut. Andererseits spielt bei Möbeln häufig, insbesondere in Zeiten der alternden Gesellschaft, der Komfort eine entscheidende Rolle.

Man sagt ja immer, dass jeder Trend irgendwann einmal zurückkommt – so z. B. in der Modebranche. Gibt es so etwas auch bei Möbeln?

Das würde ich erst einmal in Frage stellen. Natürlich sehen wir immer wieder, dass Trends zurückkommen. Diese wurden jedoch neu interpretiert, weiterentwickelt und in einen neuen Kontext gebracht. Der Beständigkeit kommt hier eine große Bedeutung zu. Ein Designer muss nicht immer die Welt neu erfinden. So weckt zum Beispiel das Sofa, auf dem ich als Kind bei meinem Opa gesessen habe, heute Emotionen in mir. Ich fühle mich wohl und das ist der Sinn und Zweck einer Einrichtung.

Gestalter und Unternehmen aus aller Welt haben noch bis zum 1. Februar 2019 Zeit, ihre besten Produkte zum Red Dot Award: Product Design 2019 einzureichen, um sie von Katrin de Louw und ihren Jury-Kollegen hinsichtlich ihrer gestalterischen Qualität prüfen zu lassen. Die Experten legen während des Bewertungsprozesses nicht nur Wert auf Ästhetik, sondern auch auf Innovationsgrad, Funktionalität, Langlebigkeit, Produktperipherie und Selbsterklärungsqualität der Produkte. Die ausgezeichneten Objekte setzen Standards in der Designbranche und zeigen, in welche Richtung es künftig gehen kann.