Red Dot Award: Communication Design

thjnk-Interview (Teil 2)

Über Social Media, Verantwortung und Teamwork: Interview mit thjnk, Red Dot: Agency of the Year 2017 (Teil 2)

2017 wurde thjnk der Ehrentitel „Red Dot: Agency of the Year” verliehen. 2012 gegründet, hat sich die Full-Service-Agentur mit Sitz in Hamburg binnen weniger Jahre zu einer der führenden Gruppen in Deutschland entwickelt. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich seit der Gründung verdoppelt; rund 400 (und mehrere Hunde) kreieren heute herausragende und preisgekrönte Kommunikationsdesigns an zehn Standorten. Red Dot sprach mit zweien der Gründer, Karen Heumann und Armin Jochum, über soziale Medien, Verantwortung, Teamwork, den Status quo im Kommunikationsdesign und das, was noch kommt.

Zusammenarbeiten

Thjnks eindrucksvolles Kundenportfolio umfasst Marken wie Audi, HARIBO, IKEA, McDonald’s und REWE. Zusammen mit thyssenkrupp hat thjnk die Gemeinschaftsagentur BOBBY&CARL ins Leben gerufen. Darüber hinaus wurde LEO’S THJNK TANK gemeinsam mit Leo Burnett gegründet und mit dem Marketing-Technologie-Unternehmen Facelift werden bei upljft neue Lösungen für Social Media-Marketing gesucht. Zudem fokussiert sich die thjnk-Tochter loved auf Marken, Inhalt und Design.

Facebook-Stories, Instagram Stories oder Snapchat – vor allem im Internet sind Videos aktuell das vielleicht wichtigste Kommunikationsmittel für junge Leute. Beeinflusst diese Flut an Bewegtbildern Ihre Kommunikationsstrategien?

Heumann: Wir suchen immer den wirkungsvollsten Weg in Richtung unserer Zielgruppen, und die sogenannten sozialen Medien sind dabei ein unglaublicher Zuwachs an Möglichkeiten. Deshalb: Ja, die Flut von Bewegtbildern beeinflusst uns, und wir sind gleichzeitig Teil von ihr.

Jochum: In diesen Kanälen geht es für Marken darum, mit den richtigen Werten zu antworten. Sie müssen genau wissen, welche Glaubwürdigkeit eine Marke in einem bestimmten Feld hat. Diesbezüglich beraten wir unsere Kunden sehr intensiv.

Eine Ihrer Arbeiten, die mit dem Red Dot: Best of the Best ausgezeichnet wurde, ist „ALI COLA“, die Sie mit dem Slogan „Toleranz schmeckt“ promoten. Wie beeinflussen soziale und gesellschaftliche Probleme Ihre Arbeit?

Jochum: Jede Idee hat ihren perfekten Zeitpunkt, den wenn sie ihr Potenzial am besten entfalten kann. Dafür ist ALI COLA ein gutes Beispiel. Nach eingehender Analyse haben wir den Machern empfohlen, nicht nur die Werbung neu zu erfinden, sondern auch das Produkt. Indem wir die gleiche Cola in sechs unterschiedlichen Hautfarben abfüllten, transportierten wir das Anliegen ohne Worte. Wir mussten unseren sehr engagierten Auftraggeber zunächst überzeugen, auch weil es für ihn produktionstechnisch eine große Challenge war. Aber dann war klar: Wenn wir es machen, dann mit aller Konsequenz. In Zeiten von Pegida und der Flüchtlingskrise war und ist die Botschaft schließlich von höchster Relevanz.

Bei so vielen kreativen Köpfen unter einem Dach gibt es vermutlich viel Reibungsfläche. Gibt es bei thjnk eine spezielle Herangehensweise an die Arbeit im Team?

Jochum: Wir haben ein ziemlich faires hierarchiefreies Miteinander und Arbeiten. Vom Praktikanten bis zum Vorstand. Ich fordere mutige, respektlose Ideen. Da müssen natürlich die Bedingungen stimmen. Sonst kann nichts wirklich Gutes daraus entstehen.

Heumann: Was ich bei thjnk immer wieder positiv finde, ist die absolute Gleichberechtigung und der Umgang miteinander auf Augenhöhe. Wir wollen in die Diskussion gehen, und eine gewisse Reibung ist erwünscht. Wir ziehen uns zu Projektbeginn gemeinsam einen Tag zurück, ins sogenannte „Kreativ-Biwak“, um im interdisziplinären Team und im Prozess den Leitgedanken für die Kampagne zu entwickeln.

Jochum: Auch im „Kreativ-Biwak" arbeiten wir mit einer hohen Geschwindigkeit. Wir stellen einem internen Publikum dann eine Idee vor. Ziel ist es, im direkten Austausch voneinander zu lernen, ohne jeglichen Hierarchie-Quatsch. Es geht hier rein um die Qualität der jeweiligen Beiträge, und darum, ob einen eine Idee inspiriert und beschwingt, oder eben nicht.

Wenn Sie das Jahr 2017 im Vergleich zu 2012 sehen – wo steht Kommunikationsdesign da?

Jochum: In unserer Branche sind 5 Jahre eine verdammt lange Zeit. Die Geschwindigkeit und die Veränderungen mit all ihren Möglichkeiten waren in den letzten Jahren überproportional im Vergleich zu den vorangegangenen 20 Jahren. Durch Big Data und die heute sehr valide Datentransparenz sehen wir vieles klarer und reflektierter. Das ermöglicht uns, strategisch noch bessere Empfehlungen zu geben und, wenn nötig, auch andere Prioritäten zu setzen. Kommunikationsdesign hat in dieser Zeit einen Quantensprung geschafft. Es gibt endlich ein neues Selbstverständnis und einen neuen, merklich spürbaren Einfluss auf ziemlich jeden Winkel unseres Lebens. Die Leute erwarten Orientierung und Haltung. Gutes Design ist eine wesentliche Ausdrucksform davon.

Heumann: Es differenziert sich auch  mehr aus. Man darf auch wieder sagen, wie effektiv TV und Print sind. In einer aktuellen Studie wird belegt, dass Print bei einer bestimmten Zielgruppe wesentlich mehr Wirkung zeigt als digitale Ansätze. thjnk verkauft nichts, nur weil es hip ist. Unsere Kunden können bei unserer Virtuosität erwarten, dass sie passgenaue Angebote bekommen.

Und was wird thjnk in den nächsten Jahren beeinflussen? Gibt es ein Ziel, an dem Sie in fünf Jahren stehen wollen?

Jochum: Idealerweise soll thjnk nicht von uns abhängen. Die Marke ist größer als der Einzelne. Wir wollen unseren Kollegen die Chance geben, mit dem Erfolg der Marke zu wachsen. Durch die Weiterentwicklung unserer Expertise und Talente können sie perspektivisch auch einen langen Weg mit uns gehen. Wir müssen uns frühzeitig Gedanken machen, wie das passieren kann, weil der entscheidende Hebel dieser Marke nun mal “People Business“ ist. Mein Ziel ist es, dass thjnk eine pulsierende Marke bleibt. Diese Sehnsucht überstrahlt alles.

Heumann: Ja, thjnk hat ein eigenes Leben. Uns geht es deshalb vor allem darum, die nächste Generation mit an den Start zu bringen, während wir unser Leistungsportfolio weiterentwickeln und schärfen. Der „Beste“ ist der, der es schafft, sich selbst überflüssig zu machen, ohne dass die Gesamtleistung auch nur eine Sekunde darunter leidet. Und auch wenn es mir wehtun würde, wenn ich irgendwann diesen Job nicht mehr machen sollte, mein Ziel ist, dass ihn andere irgendwann noch besser machen, und dass thjnk weiterlebt.

Noch eine Frage: Warum nehmen Sie jedes Jahr am Red Dot Award teil?

Jochum: Es gibt Wettbewerbe und es gibt Wettbewerbe. Wir haben direkt am Anfang entschieden, welche eine hohe Strahlkraft haben und welche uns in unserem Anspruch an die eigene Arbeit unterstützen. Wir haben uns daher auf jene festgelegt, die über die Werbefachpresse hinaus substantielle Bedeutung haben. Red Dot hat sehr viel für die Sichtbarkeit und Anerkennung von Design getan und hat auch eine hohe Reputation. Ansonsten punktet Red Dot mit der Ausrichtung und dem Fokus des Wettbewerbs sowie der Arbeit der Jury, was auf einem höchst professionellen, internationalen Niveau stattfindet.

Preisverleihung des Red Dot Award: Communication Design 2018

2018 wurde thjnk mit 17 Red Dots und 5 Red Dot: Best of the Best ausgezeichnet. Für ihre neuesten Leistungen werden die Kreativen am 26. Oktober 2018 im Rahmen der Red Dot Gala geehrt. An diesem Tag findet auch die Vergabe des Preises an die Red Dot: Agency of the Year 2018 statt. Die neuen Preisträger werden die Wandertrophäe „Stylus“ als Symbol ihres außergewöhnlichen Erfolgs von ihren Vorgängern von thjnk überreicht bekommen.