Red Dot Gala: Product Design 2025 Start Livestream: 8. Juli, 17:45 Uhr (MESZ)
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Akzeptanz gestalten:

Wie Austrian Power Giants die Energieinfrastruktur neu denkt

Lange Zeit wurde die Energieinfrastruktur fast ausschließlich von funktionalen und technischen Anforderungen geprägt. Strommasten wurden als neutrale Ingenieurbauwerke konzipiert, wobei Effizienz, Sicherheit und Standardisierung im Vordergrund standen, während Fragen der Identität, Symbolik oder emotionalen Resonanz weitgehend aus dem Entwurfsprozess ausgeschlossen wurden. Obwohl stark sichtbar, waren diese Strommasten nie dafür vorgesehen, eine Bedeutung zu vermitteln oder in Beziehung zu ihrer Umgebung zu treten. Mit der Beschleunigung der Energiewende wird der Netzausbau heute nicht mehr als temporäre Maßnahme, sondern als dauerhafte und weithin sichtbare Transformation der Landschaft wahrgenommen.

In ganz Europa wächst der Widerstand gegen neue Stromleitungen – nicht, weil ihre Notwendigkeit in Frage gestellt wird, sondern weil die Infrastruktur oft als aufgezwungen und wenig integriert empfunden wird. Austrian Power Giants reagiert auf diese Akzeptanzlücke, indem es die Sichtbarkeit selbst neu definiert: nicht als Nachteil, sondern als Chance für Design. Das Konzept wurde mit einem Red Dot im Red Dot Award: Design Concept 2025 ausgezeichnet.

Design als Vermittler der Energiewende

Anstatt zu versuchen, die Infrastruktur zu verbergen, positioniert Austrian Power Giants Gestaltung als Vermittler zwischen technologischer Notwendigkeit und öffentlicher Wahrnehmung. Das Projekt stellt von Tieren inspirierte Strommasten dar, die eine emotionale und kulturelle Verbindung zu ihrer Umgebung herstellen. Diese Strukturen versuchen weder, die Landschaft zu dominieren, noch versuchen sie, in ihr zu verschwinden. Vielmehr wollen sie dazugehören.

Das zugrunde liegende Konzept weist jedem der neun Bundesländer Österreichs einen eigenen „Power Giant“ zu, der einem Tier nachempfunden ist, das die regionale Identität und die lokalen Ökosysteme symbolisiert. Auf diese Weise wird die Infrastruktur erkennbar, nachvollziehbar und ortsverankert und verwandelt anonyme Masten in bedeutungsvolle Wahrzeichen.

Von Standardmasten zu regionalen Symbolen

Die ersten realisierten Entwürfe veranschaulichen, wie symbolisches Storytelling und Infrastruktur miteinander verschmelzen können. Für das Burgenland wurde aufgrund seiner jährlichen Wanderung und seiner langjährigen Präsenz in der Region der Storch als tierischer Repräsentant ausgewählt. In Niederösterreich spiegelt der Hirsch die bewaldeten Ausläufer der Alpen und die kulturelle Bedeutung der Tierwelt in der Landschaft wider.

Durch die Übersetzung dieser Tiere in strukturelle Formen schafft Austrian Power Giants eine neue Erzählung für den Netzausbau: eine, die sich von Konfrontation weg und hin zu Identifikation bewegt. Die Masten werden zu Markern des regionalen Charakters und wecken eher Neugier als Widerstand.

Wenn Ausdruck auf Technik trifft

Entscheidend ist, dass die Ausdruckskraft der Entwürfe nicht auf Kosten der technischen Leistungsfähigkeit geht. Die Storch- und Hirschmasten wurden bereits als Prototypen entwickelt und auf strukturelle Stabilität und Hochleistungsfähigkeit getestet. So wird sichergestellt, dass die skulpturalen Formen den strengen Sicherheits- und Funktionsstandards entsprechen, die für die moderne Stromübertragung erforderlich sind.

In diesem Sinne stellt Austrian Power Giants eine gängige Annahme in Frage: dass emotionales Design und technische Effizienz sich gegenseitig ausschließen. Stattdessen zeigt das Projekt, wie ästhetischer Ausdruck mit der Funktionalität der Infrastruktur koexistieren und diese sogar verbessern kann.

Jenseits der Tarnung: eine neue Rolle für das Infrastrukturdesign

Austrian Power Giants markiert einen Wandel in der Art und Weise, wie wir über die Rolle von Design in groß angelegten Systemen denken. Anstatt Infrastruktur als notwendige Störung zu betrachten, die visuell minimiert werden muss, plädiert das Projekt für einen offeneren, ausdrucksstärkeren Ansatz. Einen Ansatz, der die Dauerhaftigkeit und Sichtbarkeit der Energiewende anerkennt und Design nutzt, um sie verständlich und kulturell resonant zu machen.

Da sich die Gesellschaften in Richtung Elektrifizierung und Dekarbonisierung bewegen, wird die Infrastruktur unsere Landschaften zunehmend prägen. Projekte wie Austrian Power Giants legen nahe, dass Akzeptanz nicht dadurch entsteht, dass diese Veränderungen versteckt werden, sondern dass sie so gestaltet werden, dass die Menschen sie erkennen, verstehen und letztendlich annehmen können.

Ideen, die die Zukunft gestalten: Red Dot Award: Design Concept 2026

Der Red Dot Award: Design Concept richtet sich an visionäre Gestalterinnen und Gestalter, die mit mutigen Ideen und zukunftsweisenden Konzepten Antworten auf die Herausforderungen von morgen entwickeln. Noch bis 21. Januar 2026 ist eine Einreichung zum Early-Bird-Tarif möglich, die reguläre Anmeldephase läuft bis zum 29. April 2026. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, innovative Konzepte einzureichen, neue Perspektiven aufzuzeigen und aktiv an der Gestaltung der Welt von morgen mitzuwirken.

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