
Harmonisches Handwerk: Japanisches Design, Minimalismus und die Kunst des Herstellens
Mit Francesco Milani verliert die internationale Designgemeinschaft einen Gestalter, der das Industriedesign über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat, insbesondere im Bereich der Medizintechnik. Seine Arbeit steht bis heute für funktionale Klarheit, systematisches Denken und ein hohes Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Nutzerinnen und Nutzern komplexer technischer Produkte.
1963 gründete Francesco Milani in Giubiasco im Tessin sein Studio für Industriedesign und visuelle Kommunikation. Bereits in den 1960er-Jahren entwickelte sich das Büro unter seiner Leitung zu einer der führenden Adressen in Europa für die Gestaltung hochkomplexer medizintechnischer Geräte. Milani verstand Gestaltung als vermittelnde Disziplin zwischen Technik, Mensch und Anwendung und setzte diesen Anspruch konsequent in seiner Arbeit um.
Ein frühes Projekt war die Gestaltung eines Densitometers für Gretag im Jahr 1965. Neben der Medizintechnik war Milani auch in anderen Industrien tätig unter anderem durch international sichtbare Arbeiten wie die Longines-Kampagne zu den Olympischen Sommerspielen München 1972. In den 1970er-Jahren entwarf er zudem frühe moderne Tetra-Verpackungen für den Schweizer Markt sowie Verpackungslösungen für die hiesige Schokoladenindustrie. Seine gestalterische Weitsicht zeigte sich auch in experimentellen Konzepten wie der multifunktionalen „Monduhr“ aus dem Jahr 1970, die rückblickend als früher Vorläufer vernetzter Armbanduhren gelten kann.
Den nachhaltigsten Einfluss hatte Francesco Milani durch seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem Medizintechnikunternehmen Dräger. Für Dräger gestaltete er zahlreiche Geräte, darunter Wärmebetten für Frühgeborene, Beatmungs- und Anästhesiegeräte sowie Operationsleuchten. Zu den bekanntesten Produkten zählen das Wärmebett Babytherm, der Anästhesiearbeitsplatz Julian, der im Red Dot Design Award prämiert wurde, und der Inkubator Caleo. Charakteristisch für seine Arbeit waren klar strukturierte Bedienoberflächen, ein konsequent eingesetztes Farbleitsystem und der Anspruch, komplexe Technik sicher und verständlich bedienbar zu machen.
Sein fachliches Urteil brachte Milani auch in die internationale Designbewertung ein. Er war viermal Mitglied der Jury des Red Dot Award: Product Design und bewertete die Einreichungen in den Jahren 2001, 2004, 2005 und 2007. Innerhalb der Jury wurde er als präziser Beobachter mit klaren Maßstäben und hoher gestalterischer Disziplin geschätzt.
Francesco Milani hinterlässt ein Werk von bleibender Relevanz. Seine Haltung zur Gestaltung, sein Pioniergeist und sein Anspruch, technische Komplexität durch Klarheit und Verantwortung beherrschbar zu machen, prägen das Medizintechnikdesign bis heute.